Betriebe

Ausbildungsbetriebe als Lernorte der Werte- und Demokratie-bildung

In der dualen Ausbildung wird der Themen-komplex „Werte und Demokratie“ häufig ausschließlich der Berufsschule als Bildungsinstanz zugeordnet. Jedoch sind die Ausbildungsbetriebe auch hier wichtige Erfahrungsräume. Ob im Rahmen der institutionalisierten Mitbestimmung (Stichwort: Jugend- und Auszubildendenvertretung) oder in verschiedenen betrieblichen Settings: Gerade der Alltag im Ausbildungsbetrieb bietet ein (lernreiches) Spannungsfeld, in dem z.B. verschiedene ökonomische, ökologische und soziale Positionen abgewogen und reflektiert werden müssen.

Zudem eröffnen gerade neue Arbeitsformen (z.B. agiles Arbeiten) individuelle Entscheidungsspielräume und Partizipationsmöglichkeiten – und erfordern gleichzeitig ein hohes Maß an Empathie- und Konfliktfähigkeit sowie dialogische und kooperative Fähigkeiten. Insgesamt gewinnt daher die Vermittlung demokratischer Kompetenzen auch im Kontext der betrieblichen Bildung weiter an Bedeutung. Das schlägt sich in den (2021 überarbeiteten) Standardberufspositionen und zunehmend auch in den Ausbildungsordnungen nieder.

Wertebildung in der Praxis: mehrWERT Demokratie im Ausbildungsbetrieb

Das aus dem Wertebündnis Bayern hervorgegangene Bildungsprogramm mehrWERT Demokratie startete 2011 und will politische Bildung vor allem für junge Menschen in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf zugänglich machen.
Ausführliche Informationen zu mehrWERT Demokratie finden Sie HIER.

Mekra Lang GmbH & Co. KG

Bereits seit 2017 führt das mittelfränkische Unternehmen MEKRA Lang Demokratiekurse für ihre Auszubildenden durch. Schauen Sie doch mal rein:

Und hier finden Sie weitere Informationen:

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München zählt zu den größten Ausbildungsbetrieben unter den deutschen Sparkassen und Münchner Betrieben. Im Dezember 2022 fand erstmals mit 20 Auszubildenden ein Pilot-Demokratiekurs statt – der künftig fest in die Ausbildungspläne aufgenommen wird. Außerdem entsteht ein zweites Seminar mit denselben Inhalten für junge Nachwuchskräfte aus dem Angestelltenbereich.

“Die Stadtsparkasse München nimmt eine gesellschaftliche Verpflichtung wahr. Unser Ziel ist es, junge Menschen Fachwissen und eine Haltung mitzugeben”

Ralf Fleischer

Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München

Informationen zum Demokratie-Kurs der Stadtsparkasse München:

  • Ausführliches Interview mit Vorstandsvorsitzendem Ralf Fleischer im Digitalmagazin des Wertebündnis Bayern

  • Interview mit Michelle Heinrich, stellvertretende Bereichsleiterin Ausbildung und Ausbildungsreferentin, sowie Robert Wegmann, Leiter Ausbildung und Administration – Direktion Personal

Werte im Handwerk

Eine mehrtägige Tagung an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing im Oktober 2023 stellte „Werte als Leitmotiv der Berufsbildung“ ins Zentrum des Diskurses. Mit besonderem Blick auf das Handwerk wurden u.a. die Bedeutung der Ausbildungsbetriebe bei der Wertebildung sowie die gesamtgesellschaftliche Funktion der dualen Ausbildung insbesondere für Integration und Inklusion beleuchtet.
Ausführliche Berichte zur Tagung finden Sie auf folgenden Websites:

„Mein Betrieb“: Das Ausbildungsunternehmen als Einstieg in das Berufsleben und Teil der eigenen Lebenswelt

Auszubildende befinden sich in einer spannenden Lebensphase: Sie verdienen das erste Geld, ziehen von zu Hause aus und zahlen erstmalig Sozialabgaben. Viele Themen der politischen Bildung werden in ihrem Alltag unmittelbar relevant. Dieses Ankommen im Erwachsenenalter findet besonders auch an ihrem Arbeitsplatz statt:

Auszubildende….

  • übernehmen als Nachwuchskräfte erste Verantwortung im Betrieb,
  • wachsen in einen Beruf mit all seinen Traditionen und Wertvorstellungen hinein und
  • werden in den Kreis der Arbeitskolleginnen und -kollegen eingebunden.

Dabei hat eine berufliche Ausbildung einen sinnstiftenden Charakter, der sich viel-fach in gesellschaftsdienlichen, sozialen, künstlerisch-ästhetischen oder auch ethischen Motiven offenbart:

  • Ob es die/der angehende Landwirt/in ist, die/der sich künftig um die Herstellung qualitativ hochwertiger Lebensmittel und Pflege der heimatlichen Landschaft kümmert,
  • die/der Schreinerauszubildende, die/der sich mit voller Begeisterung seinem Werkstück widmet,
  • die/der medizinische Fachangestellte, die/der einem Patienten mit einem Lächeln die Angst vor der anstehenden Spritze nimmt oder
  • die/der Erzieher/in, die/der Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleitet.

Sie alle verbindet vielfach die Leidenschaft zu ihrem Beruf, zu ihrem täglichen Tun und Handeln. Das ist oftmals daran zu erkennen, dass Jugendliche begeistert von ihrem Ausbildungsbetrieb und ihrem Arbeitsalltag erzählen. Gerade jungen Menschen mit schwieriger Bildungsbiographie tut es gut, zu erfahren, dass sie „gebraucht“ werden. Und das tut auch unserer Demokratie gut: Denn die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist die Grundlage für Verantwortungsübernahme und Engagement.

„Berufliche Bildung – WERTvoll für alle“

Mit der Initiative „Wertschätzung beruflicher Bildung“ und dem Projekt „Berufliche Bildung - WERTvoll für alle“ möchte das Wertebündnis Bayern die individuelle wie gesamtgesellschaftliche Bedeutung der beruflichen Bildung aufzeigen. Zudem sollen damit auch Impulse für die Werte- und Demokratiebildung in der Berufsbildung gesetzt werden.

Einen beeindruckenden Auftakt fand die Initiative „Wertschätzung beruflicher Bildung“ in der 36. Vollversammlung des Wertebündnis Bayern im April 2022. Mit dabei waren Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Staatsminister a. D. Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Olympiasieger Markus Wasmeier und Skispringerin Katharina Althaus. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie HIER.