Heterogenität
Heterogenität ist ein wesentliches Merkmal beruflicher Bildung, das sich in verschiedenen Ausprägungen zeigt (u.a. Alter, Herkunft, Bildungshintergrund, Religion, Inklusionsbedarf). Berufsschule ist ein bunter Ort, an dem unterschiedliche Milieus aufeinander treffen. Deshalb bedarf es auch differenzierter Zugänge und Ansatzpunkte:

Gemeinsame Werte und vielfältige Perspektiven in der Schulgemeinschaft sichtbar machen
Werte.BS: Good-Practice im Überblick
Vielfalt in der Schulgemeinschaft wurde an den Beruflichen Schulzentren in Ansbach-Triesdorf und Scheinfeld durch die Gestaltung von „wertvollen Treppenstufen“ aufgezeigt und fand an der Berufsschule Eichstätt seinen Ausdruck in der Erstellung eines Wertewegweisers. Viele Werte.BS-Schulen haben zudem Werte der Schulfamilie auch über Umfragen visualisiert. Um Vielfalt in der Vorweihnachtszeit sichtbar zu machen, wurde bspw. am Beruflichen Schulzentrum in Mühldorf ein „Baum der Wünsche“ aufgestellt: Dort konnten Schüler/-innen ihre ganz persönlichen Wünsche und Anliegen auf bunten Zetteln an einem Weihnachtsbaum anbringen. Auch auf Ebene der Klassengemeinschaft wurde vielfach ein Wertedialog angestoßen. So etwa in der 10. Jahrgangsstufe der Einzelhandelsklassen an der Kaufmännischen Berufsschule Deggendorf: Dort setzten sich Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Teambuilding-Workshops mit der Frage auseinander: „Welche Werte sind uns im Umgang miteinander wichtig?“

Integration als zentrales Handlungsfeld – nicht nur in den Berufsintegrationsklassen, sondern auch in den Fachklassen und in der ganzen Schulgemeinschaft.
Werte.BS: Good-Practice im Überblick
Die Werte.BS-Schulen haben vor allem versucht, Räume des wechselseitigen Kennenlernens und Austausches zu schaffen. An der Franz-Oberthür-Schule in Würzburg wurden dafür Großmosaike gestaltet, u.a. um die Herkunftsländer von Schüler/-innen vorzustellen oder auch, um verschiedene Einstellungen und Haltungen zur Europäischen Union im Schulhaus sichtbar zu machen. Daneben führten Berufsintegrations- und Fachklassen gemeinsam das Catering für Abschlussfeiern durch.
Um einen Dialog zwischen Fachklassen und Berufsintegrationsklassen anzuregen, wurde an der Berufsschule Eichstätt ein Wertekoffer eingesetzt. Dabei packten Schüler/-innen aus Fachklassen und Geflüchtete jeweils ihren eigenen Wertekoffer. Im zweiten Schritt setzten sie sich in gemischten Gruppen mit den eigenen Werten auseinander und einigten sich auf ihren interkulturellen Wertekoffer. Auf einen Austausch zwischen Berufsintegrations- und Fachklassen zielte auch die „Aktion Brief-freunde“ der Berufsschule Ostallgäu ab, die Sie in den Good-Practice-Beispielen finden.

Linktipp:
Spezielle Beispiele der Werte- und Demokratiebildung für die Berufsvorbereitung und Berufsintegration finden Sie auf der Website Berufsvorbereitung des ISB.
Individuelle Förderung und Begleitung der/des einzelnen Schülerin/Schülers
Werte.BS: Good-Practice im Überblick
Tutoren- und Patensysteme verbinden dabei individuelle Unterstützung mit dem Konzept des „Lehren durch Lernen“: An der Franz-Oberthür-Berufsschule Würzburg wird dieser Ansatz in der Initiative Schüler/-innen helfen Schüler/-innen umgesetzt. Weitgehend selbstorganisiert agieren hier leistungsstarke Schüler/-innen als Tutor/-innen. An den mittelfränkischen Werte.BS-Schulen Scheinfeld und Ansbach-Triesdorf ist mit dem Mündener Modell insbesondere ein Konzept des Schülercoaching eingeführt; weitere Informationen finden Sie in den Good-Practice-Beispielen. Unabhängig von Werte.BS hat sich – ausgehend vom Beruflichen Schulzentrum Wiesau – in der Oberpfalz an nahezu allen Berufs- und Wirtschaftsschulen das Unterrichtsfach Persönliche Entwicklung etabliert. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern Raum und Zeit zu geben, ihre Stärken und Ressourcen zu entdecken und mehr Lebenskompetenz und -freude entwickeln.

Neben den gerade aufgezeigten Handlungsfeldern sei mit Bezug auf den Themenkomplex Heterogenität noch schlaglichtartig verwiesen auf
die Dimension der religiösen Vielfalt, der z.B. durch überkonfessionelle Gottesdienste oder Exkursionen zu Gotteshäusern verschiedener Religionsgemeinschaften im Rahmen von Werte.BS Rechnung getragen wurde,
die umfangreichen Bemühungen im Bereich Inklusion, die sich insbesondere im Schulprofil „Inklusion“ an vielen bayerischen Berufsschulen und Berufsfachschulen zeigen,
die Beratungs- und Unterstützungsangebote an allen beruflichen Schulen, die im Wesentlichen getragen werden durch die Beratungslehrkräfte (z.B. Beratung zum weiteren Bildungsweg), die Schulpsycholog/-innen (z.B. bei Schulleistungs- und Lernproblemen) und die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS, z.B. bei Schwierigkeiten in der Ausbildung).
Werte.BS: Good-Practice-Beispiele im Fokus:
Respect Coaches
Die Berufsschule II Bamberg beteiligt sich seit Mitte 2018 am Projekt „Respect Coaches“ des Jugendmigrationsdienstes. Ziel ist hierbei die Primärprävention gegen jede Form von Extremismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. An der Berufsschule II Bamberg wurde von den Respect Coaches u.a. ein interaktives Theater zum Themenkreis „Diskriminierung und Demokratie“ organisiert und ein Graffiti-Workshop zu Respekt und Werten durchgeführt. Mehr Informationen zu den Respect Coaches an der Berufsschule II in Bamberg finden Sie HIER.
Aktion Brieffreunde zwischen BIK und ZFA
Während der Corona-Pandemie war der soziale Kontakt zwischen den Schülerinnen und Schülern und der Austausch zwischen den verschiedenen Klassen eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee der Aktion Brieffreunde. Die Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklasse verfassten Briefe, in denen sie sich vorstellten und ihre Fragen zur Ausbildung und der Berufsschule formulierten. Natürlich waren auch viele private Fragen dabei. Die Briefe wurde an die Schülerinnen und Schüler im 2. Lehrjahr zur Zahnmedizinischen Fachangestellten verschickt, welche mit großem Interesse ihre Antworten verfassten. So entstand ein reger Austausch, der auch über die Briefaktion hinaus vertieft wurde.
Quelle: Berufsschule Ostallgäu
Schüler/-innen individuell fördern und Klassengemeinschaft stärken am Beispiel des Mündener Modells
Ruzica Petrovic zeigt in ihrem Impuls auf, wie das Mündener Modell am Beruflichen Schulzentrum in Ansbach-Triesdorf erfolgreich im Schulalltag umgesetzt wurde.





