Partizipation

Schülerpartizipation an der Berufsschule als Herausforderung

Schülerpartizipation muss an der Berufsschule – nicht nur formal – verankert sein, sondern auch organisational gelebt werden. Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass die Berufsschule als Teilzeitschule nicht den zentralen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt der Schülerinnen und Schüler darstellt. Deshalb liegt eine besondere Herausforderung darin,

  • Möglichkeiten und Freiräume für echte Schülerpartizipation zu schaffen und zu nutzen sowie
  • die Schülerinnen und Schüler zur demokratischen Mitarbeit in den Schulgremien (z.B. Schülermitverantwortung – SMV) zu motivieren.

Good-Practice-Beispiele aus dem Schulversuch Werte.BS

Zusammenwirken – SMV-Arbeit am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Nürnberger Land
SMV-Staffelstab, Klassensprecherwahlset & Lernoase: Die Schülersprecher/-innen des BSZ Nürnberger Land in Lauf a. d. Pegnitz geben Einblick in ihre vielfältigen Projekte und Initiativen.

Schulgemeinschaft leben: Räume, Veranstaltungen und Formate durch und für Schülerinnen und Schüler (Berufliches Schulzentrum Mühldorf)
Anhand von zwei Good-Practice-Beispielen zeigen Lehrkräfte des BSZ Mühldorf auf, wie Schülerinnen und Schüler kreativ eine werteorientierte Schulkultur mitgestalten können.

Schülermitverantwortung aktiv und vielfältig gestalten an der Kaufmännischen Berufsschule Deggendorf
Wie Kommunikation und Kooperation im Rahmen der organsierten Schülerpartizipation gestärkt werden kann – das stellt Lehrerin Stefanie Zimpel für die Kaufmännische Berufsschule in Deggendorf dar.

Schüler/-innen engagieren sich in der Berufsorientierung (Berufliches Schulzentrum Ansbach-Triesdorf)
Ihren eigenen Ausbildungsberuf stellen Schülerinnen und Schüler des BSZ Ansbach-Triesdorf im Rahmen eines weitgehend eigenverantwortlich gestalteten und durchgeführten Berufsorientierungstag vor.

Was macht Schülerpartizipation an der Berufsschule aus?

In Anlehnung an die Partizipationstrias des Politikdidaktikers Tim Engartner umfasst Schülerpartizipation drei wesentliche Aspekte:

  • Partizipationsfähigkeiten: Fähigkeiten, eigene und fremde Interessen wahrzunehmen, z.B. Reflexion eigener Interessen, Formulierung entsprechender Vorschläge oder Kritik, Teilnahme an Diskussionen, Mitberatung, Mitentscheidung oder auch verantwortliche Umsetzung

  • Partizipationsmöglichkeiten: Ort und Anlass von Teilhabe; hier lassen sich drei Perspektiven/Bereiche unterscheiden:

    • Schule als Demokratie mit verschiedenen, auch institutionalisierten Teilhabemöglichkeiten, z.B. die Schülermitverantwortung oder die Gremienarbeit an der Schule (u.a. im Berufsschulbeirat)
    • Demokratisch-partizipativer Unterricht, z.B. in Form schüleraktiver, handlungs- und problemorientierter Unterrichtsformate oder durch systematisches Feedback (wie etwa mit dem Schülerfeedback im Rahmen des QmbS)
    • Schule in der Demokratie und damit als Lernort für gesellschaftlich relevantes Engagement (u.a. im Rahmen des Service Learning und in Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern)
  • Partizipationsbereitschaft: Förderung von Bewusstsein und Engagement für das Gemeinwesen, insbesondere durch eine Stärkung der Partizipationsfähigkeiten und Ausbau von Partizipationsmöglichkeiten

Impulsvideo: Schülerpartizipation als Motor und Ausdruck der Werte- und Demokratiebildung an der Berufsschule

Weitere, ausführliche Informationen zum Thema Schülerpartizipation an der Berufsschule finden Sie in einem Impuls von Prof. Dr. Rico Behrens (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt). Der Beitrag wurde im Juli 2021 für den Schulversuch Werte.BS erstellt.
→ Hier unten finden Sie das Video und HIER gelangen Sie zu den Präsentationsfolien

Verbindungslehrkräfte – wichtiger Eckpfeiler der Schülerpartizipation

Erster Anlaufpunkt für Schülerpartizipation sind die Verbindungslehrkräfte. Sie

  • pflegen die Verbindung zwischen Schulleitung/Lehrkräften einerseits und Schüler/-innen andererseits,
  • beraten die Einrichtungen der Schülermitverantwortung und
  • vermitteln bei Beschwerden.

Unterstützung für Verbindungslehrkräfte

Schülerpartizipation ganzheitlich denken

Die oben dargestellte Partizipationstrias zeigt aber auch: Schülerpartizipation ist mehr als SMV! Sie zielt ganz besonders auf eine lebendige Schulgemeinschaft ab, in der sich Schülerinnen und Schüler

  • in ihren Interessen ausreichend berücksichtigt fühlen,
  • als Träger von Rechten erleben und
  • soziale Wertschätzung für ihre Beiträge erhalten.

Deshalb kann Schülerpartizipation nicht isoliert betrachtet werden; sie durchdringt alle Bereiche von Schule und ist dort implizit wiederzufinden. Dieses ganzheitliche Verständnis schlägt sich insbesondere in der Schulentwicklung nieder. (→ SchulentwicklungOrganisation)

Checkliste: Schülerpartizipation – eine Aufgabe für die ganze Schule

Schülerpartizipation betrifft also nicht nur Verbindungslehrkräfte – sondern das ganze Kollegium. Diese Checkliste-Schülerpartizipation kann einen Orientierungspunkt für den Schulalltag bieten.

Exkurs: Schulversuch „Schülerparlamente und Schulparlamente stärken“

Seit 2021 führt das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus den Schulversuch „Schulparlamente und Schülerparlamente stärken“ an 25 Modulschulen verschiedener Schularten durch. Ziel ist es, neue parlamentarische Partizipationsformate und -gremien an der Schule zu erproben, die u.a. auch Aufgaben des Schulforums/Berufsschulbeirates bzw. der Schülermitverantwortung übernehmen. Für die Berufsschulen nimmt die Berufsschule 3 Bamberg (Werte.BS-Schule) am Schulversuch teil. Weitere Informationen finden Sie HIER.